EINDWERKEN
Dr. med. vet. Eva Spieker
Gynäkologie der Hundin
Grundlagen der Fortpflanzung und osteopathische Behandlungsmöglichkeiten
Der Sexualzyklus der Hündin basiert auf einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Der Zyklus ist asaisonal-monoöstrisch und der Hund nimmt damit eine Sonderstellung unter den Haussäugetieren ein.
Der Sexulazyklus wird über Hypothalamus, Hypophyse und Ovar gesteuert. Eine Störung in diesem empfindlichen System kann zu einem Ungleichgewicht führen und daraus resultierenden Läufigkeitsproblemen. Die Freisetzung von GnRh aus dem Hypothalamus bewirkt die Bildung, Speicherung und Freisetzung von LH und FSH aus dem Hypophysenvorderlappen. Lh und FSH sind am Follikelwachstum und an der Bildung von Androgenen und Östrogenen im Ovar beteiligt.
Eine weitere Besonderheit der Hündin ist es, dass die Luteinisierung der Follikelepithelzellen bereits vor der Ovulation stattfindet und somit auch der Progesteronspiegel vor der Ovulation ansteigt.
Zahlreiche bei der Hündin auftretende gynäkologische Probleme resultieren aus Störungen in diesem komplizierten Zyklusablauf.
Hier sollen die verschiedenen Ansatzpunkte einer osteopathischen Behandlung zur Regulation von Zyklus und Geburt der Hündin dargestellt werden. Diese Möglichkeiten resultieren zum Teil aus dem komplexen Zusammenspiel der Hormone und zum Teil aus dem Einfluss von Faszien und benachbarten Organen auf das Fortpflanzungssystem unserer Haushunde.
Dem Osteopathen bleiben also viele Strukturen, die er einer genaueren Untersuchung unterziehen kann, aber es sollte nie vergessen werden, dass der Körper ganzheitlich arbeitet und der Behandler immer das Problem beheben sollte, welches ihm vorrangig erscheint „Treat what you find“. Immer sollte der Osteopath das behandeln, was er bei dem „drei Minuten Test“ an Problemen festgestellt hat.
Zur Behandlung selber stehen uns beim Hund – anders als beim Pferd - auch die direkten viszeralen Techniken zur vollen Verfügung. So besteht auf Grund der Anatomie die Möglichkeit der direkten Behandlung der Organe sowie ihrer Nachbar- und Stützgewebe, um damit das Genesungspotential der Strukturen wieder anzuregen und freizusetzen.
Eine Mobilitäts- und Motilitätsprüfung der Fortpflanzungsorgane kann schon wichtige Hinweise für die Behandlung liefern. Durch das „local listening“ kann es zu einer genaueren Diagnose der Störung kommen und durch eine Induktionsbehandlung können Probleme direkt behandelt werden.
Eine direkte Wirkung der viszeralen Osteopathie ist auch die Drainagewirkung der „Körperflüssigkeiten“. Hierbei wird durch eine verbesserte arterielle Versorgung und Entsorgung von venösem Blut und Lymphe, eine bessere Durchblutung und ein Abschwellen von Ödemen erreicht.
Eine lokale Manipulation der Adnexe scheint auch einen direkten Einfluss auf das Hypophysen-Hypothalamus System zu haben.
Ebenso sollte beim Hund auf die besondere Nähe des Ovars zum M. psoas geachtet werden. Einen direkten Kontakt mit dem Psoas hat auch die Aufhängung von Ovar, Salpinx und Uterus. Veränderungen an einer dieser Strukturen können also zu einer Beeinträchtigung des Musculus psoas major führen und damit zu einer Irritation des N. femoralis mit daraus nachfolgenden Problemen.
Eine e inge schränkte Leistungsfähigkeit der Leber zum Abbau von Hormonen kann zu einem Ungleichgewicht in dem empfindlichen Hormonhaushalt führen und Bedarf ebenfalls einer Behandlung.
Da die Ovarien sehr eng mit den Nieren verbunden sind, kann j ede entzündliche Veränderung der Nieren oder auch nur eine zeitliche Überschwemmung mit Toxinen kann zu einer Irritation der Niere und der umgebenden Strukturen führen. Die veränderte Spannung der Ligamente kann sich durch das Mesovarium direkt auf den Rest des Lig. latum ausbreiten.
Auch die cranio-sakrale Therapie eignet sich, um Störungen in dem komplizierten Hormonhaushalt der Hündin zu beheben. Das empfindliche Hypothalamus-Hypophysen System ist durch cranio-sakrale Techniken gut zu beeinflussen.
Der PAM ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Eine Voraussetzung ist die ungestörte Fluktuation des Liquor cerebro spinalis, eine weitere die Motilität des Gehirns und der Hirnhäute.
Daraus ergibt sich eine Vielzahl von Störungsmöglichkeiten, so kann es bei Veränderungen im SSB, bei Blockaden im OAA Gelenk oder auch bei einer verminderten Beweglichkeit des Os hyoideum zu einer Rhythmusstörung kommen. Jeder dieser Störungen kann also zu einer Beeinflussung der Hypophyse führen.
Eine Irritation des Ggl. cervicale kann über den Ramus jugularis und das Ggl. distale zu einer direkten Beeinflussung des N. vagus führen. Die daraus resultierende Parasympathikuserhöhung führt unter anderem auch zu einer Verlangsamung des PAM und damit auch zu einer verminderten Hormonabgabe der Hypophyse.
Es stehen dem erfahrenen Behandler also viele Möglichkeiten zur Verfügung das Wohlbefinden der Hündin zu fördern und eventuelle Störungen zu beheben.
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